Für den Verlust des Pflichtteilsanspruchs reichen bloße Verfehlungen des Pflichtteilsberechtigten gegen den Erblasser nicht aus. Vielmehr muss der Erblasser die Pflichtteilsentziehung ausdrücklich testamentarisch angeordnet haben, so das OLG Nürnberg in seinem Beschluss (Az: 12 U 1668-17) vom 04.01.2018.

Im vorliegenden Fall hinterließ der kinderlose Erblasser bei seinem Ableben seine Witwe, die er testamentarisch zur Alleinerbin eingesetzt hatte und seinen Vater. Der Vater, mit dem der Erblasser jahrelang keinen Kontakt hatte, begehrte von der Witwe Auskunft und Wertermittlung hinsichtlich mehrerer Immobilien, die der Erblasser hinterlassen hatte.

Dem Verlangen des Vaters wollte die Witwe nicht nachkommen, weil dieser vormals schwere Verfehlungen gegen seinen Sohn begangen hatte und der Erblasser deshalb sich stets dahingehend geäußert hatte, dass für den Fall, dass er vor seinem Vater sterben würde, sein Vater nichts erhalten solle. So hätte der Vater dem Erblasser als Kind nicht nur keinen gehörigen Unterhalt geleistet, sondern ihn fortwährend gedemütigt, beleidigt, misshandelt und geschlagen. Mit 14 Jahren habe er ihn aus dem Haus getrieben und vor Jahrzehnten mit bedingtem Tötungsvorsatz mit einem Schraubenzieher angegriffen. Später habe der Vater auch noch Gelder des Erblassers veruntreut. Der Erblasser habe deshalb auch oft gegenüber Zeugen geäußert, dass sein Vater nichts von ihm bekommen solle.

Der Erblasser sei darüber hinaus bei der Errichtung des Testaments irrtümlich davon ausgegangen, die alleinige Erbeinsetzung der Ehefrau genügen würde, um sein Ziel zu erreichen, nämlich den Vater komplett vom Nachlass auszuschließen.

Das Gericht konnte der Argumentation der Witwe rechtlich allerdings nicht folgen. weil es der Erblasser unterlassen hatte im Testament eine Pflichtteilsentziehung nach § 2336 BGB anzuordnen.