Wie aus einem Urteil des Landgerichts Kiel (Az.: 12 O 82/17 ) hervorgeht, ist bei der Berechnung des für den Pflichtteil maßgeblichen Nachlasswerts das Nießbrauchrecht wertmindernd zu berücksichtigen.

In dem zugrunde liegenden Fall räumte der Erblasser seiner Lebensgefährtin zu Lebzeiten ein lebenslanges hälftiges Nießbrauchrecht an seinem Grundstück ein. Nach der Hochzeit mit der Frau setzte er sie testamentarisch zu seiner Alleinerbin ein. Nach seinem über ein Jahrzehnt späteren Tod machte sein Sohn aus erster Ehe Pflichtteilsrechte gegenüber der Stiefmutter geltend. Dabei setzte er den Wert des Grundstückes so an, als wäre sie nicht mit einem Nießbrauchrecht belastet. Das Gericht gab ihm nicht Recht, weil das Nießbrauchrecht der Beklagten/Alleinerbin noch zu Lebzeiten des Erblassers eingeräumt worden war und. lediglich ein mit dem Nießbrauchrecht belastetes Grundstück vererbt wurde.