Nacherben kommen erst zum Zug, wenn der erste Erbe – der Vorerbe – stirbt oder eine bestimmte Bedingung eintritt. Vorerben müssen die Erbschaft für die Nacherben erhalten und können manches nur gemeinsam mit ihnen entscheiden. Dies gilt auch für die Löschung einer im Grundbuch vermerkten Verfügungsbeschränkung. Doch Ersatznacherben müssen dabei nicht zustimmen, so das OLG München (Az: 34 Wx 434-18).

Im verhandelten Fall setzte ein Mann in seinem Testament seine Ehefrau zur Alleinerbin ein und bestimmte sogenannte Nacherben: Nach dem Tod seiner Frau sollten die gemeinsamen Kinder das Erbe erhalten. Falls eines davon vor dem Erblasser und seiner Frau sterben sollte, sollten die jeweiligen Enkel als Ersatz­nacherben an deren Stelle treten.

Im Streitfall wollte die Frau das Grundstück jedoch aus dem Nachlass ihres Mannes herauslösen und in ihr eigenes Vermögen überführen, um es später frei veräußern zu können. Dazu holte sie die notarielle Zustimmung ihrer Kinder als Nacherben ein. Mit diesem Dokument beantragte die Vorerbin beim Grundbuchamt, den Nacherbenvermerk zu löschen. Das Grundbuchamt verweigerte die Löschung des Vermerks aus dem Grundbuch, da keine Zustimmung der Enkel als Ersatznacherben vorliege.

Zu Unrecht, urteilten die Richter. Die Zustimmung der Enkel sei nicht erforderlich. Hätte die Großmutter das nacherbengebundene Grundstück direkt an unbeteiligte Dritte veräußern wollen, hätte sie das allein mit der Zustimmung der Nacherben tun können. Eine Zustimmung der Enkel wäre nicht erforderlich gewesen, da diese nur im Falle des Vorver­sterbens eines Kindes zu Nacherben bestimmt wurden. Bislang waren sie noch nicht zum Zuge gekommen.